- Mangelnder Appetit bei Älteren – kann Medizinalcannabis helfen?
- Sekundäre Analyse einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 17 Teilnehmern
- Kein signifikanter Effekt auf GLP-1, Ghrelin oder Appetit
DCP – In einer sekundären Analyse einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 17 älteren Erwachsenen mit schlechtem Appetit hatte die Anwendung eines Medizinalcannabis-Produkts keinen statistisch signifikanten Effekt auf postprandiale Konzentrationen von GLP-1 oder Gesamt-Ghrelin sowie auf den subjektiven Appetit.
Schlechter Appetit ist wesentlicher Faktor für die Entwicklung einer Mangelernährung und kommt besonders häufig bei älteren Menschen vor. Es gibt derzeit jedoch keine breit akzeptierte und konsistent wirksame pharmakologische Behandlung, die standardmäßig, ergänzend zu einer Ernährungsintervention, verordnet werden könnte. Medizinalcannabis wird als möglicher Ansatz zur Steigerung des Appetits diskutiert, vermutlich vermittelt durch die Modulation von Appetit-regulierenden Hormonen wie GLP-1 (glucagon-like peptide-1) und Ghrelin. Die bisherige Evidenz ist jedoch begrenzt.
Mangelnder Appetit bei Älteren – ann Medizinalcannabis helfen?
Wissenschaftler untersuchten nun in einer sekundären Analyse einer randomisiert-kontrollierten Studie den Effekt eines medizinalen Cannabis-Produkts (Sativex®, 8,1 mg Δ9-Tetrahydrocannabinol, THC, und 7,5 mg Cannabidiol, CBD) versus Placebo. Die Studie gewann ältere Erwachsene mit schlechtem Appetit zur Teilnahme. Sie erhielten ein standardisiertes Frühstück an zwei Tagen sowie ein Mittagessen nach Wahl (Rindereintopf oder Linsencurry, jeweils mit Kartoffelpüree) mit gleichem Makronährstoff- und Energiegehalt. Die Studie untersuchte die postprandialen (nach einer Mahlzeit) Konzentrationen von GLP-1 und Gesamt-Ghrelin nach einer einzelnen Dosis der jeweiligen Behandlung. Den subjektiven Appetit der Teilnehmer ermittelte die Studie nach zwei separaten Behandlungsdosen (zwei separate Studientage) mittels visueller Analogskala (VAS). Diese Maße wurden in Zusammenhang mit THC-Konzentrationen sowie seiner Stoffwechselprodukte im Blut analysiert.
Sekundäre Analyse einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 17 Teilnehmern
Insgesamt konnten Daten von 17 Teilnehmern im Alter von mindestens 65 Jahren betrachtet werden. Im Vergleich zum Placebo sank die durchschnittliche GLP-1-Konzentration mit dem Cannabisprodukt nominell, aber nicht statistisch signikant (Reduktion: 2,38 pmol/l; 95 % Konfidenzintervall, KI: -0,71 – 5,46; p = 0,274). Auch zeitabhängige Veränderungen der durchschnittlichen GLP-1-Konzentration waren nicht signifikant (p = 0,054). Auch der Appetit der Teilnehmer veränderte sich nur minimal und nicht signifikant im Placebo-Vergleich (p = 1,00). Höhere Konzentrationen von THC und seinen Stoffwechselprodukten zeigten eine nominelle, nicht signifikante Assoziation mit reduzierten GLP-1-Konzentrationen und subjektivem Appetit sowie höheren Ghrelin-Konzentrationen.
Kein signifikanter Effekt auf GLP-1, Ghrelin oder Appetit
Die Autoren schließen, dass die Anwendung eines Medizinalcannabis-Produkts keinen statistisch signifikanten Effekt auf postprandiale Konzentrationen von GLP-1 oder Gesamt-Ghrelin sowie auf den subjektiven Appetit bei älteren Erwachsenen mit schlechtem Appetit hatte.