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Medizinisches Cannabis: Auch gegen depressive Symptome?

Kurz & fundiert

  • Welche Wirkung hat medizinisches Cannabis bei Ängsten und Depression?
  • Online-Befragung mit 368 Cannabis-Nutzern und 170 Kontrollen
  • Hinweise auf antidepressive Effekte

 

DGP – In einer nordamerikanischen Beobachtungsstudie wurde untersucht, welchen Einfluss medizinisches Cannabis auf Ängste und depressive Symptome haben kann. Die Online-Befragung von 538 Personen, die teils medizinisches Cannabis einsetzten und dies teils nicht taten, zeigte lindernde Effekte auf Ängste und depressive Symptome. Placebo-kontrollierte Studien sollen diese ersten Hinweise auf Wirksamkeit der ergänzenden Therapie überprüfen.


Ängste und depressive Symptome betreffen viele Menschen. Mittlerweise behandeln viele Betroffene ihre Symptome selbst mit Hilfe medizinischer Cannabis-Produkte. Welche Wirkung diese Substanzen aber bei Ängsten und Depression haben, ist bislang eher unklar. Ziel der vorliegenden Beobachtungsstudie war es, die allgemeine Gesundheit von Menschen mit Ängsten und/oder Depression, individuell mit und ohne Einsatz von medizinischem Cannabis, zu untersuchen.

Welche Wirkung hat medizinisches Cannabis bei Ängsten und Depression?

Die Teilnehmer der Online-Befragung gaben Auskunft zu Ängsten und depressiven Symptomen, Verwendung von Cannabis-Produkten, Schlaf, Lebensqualität und ob sie an chronischem Schmerz begleitend erkrankt waren. Teilnehmer, die die anfängliche Befragung vervollständigten, wurden schließlich zu Nachbefragungen im Abstand von 3 Monaten eingeladen. Die Forscher analysierten schließlich, welche Unterschiede zwischen Cannabis-Nutzern und Personen, die kein Cannabis gebrauchten, bestanden, sowie ob neuer Cannabis-Gebrauch, anhaltender Gebrauch oder die Beendigung des Gebrauchs einen Einfluss auf Symptome wie Ängste und Depression in der Nachbefragung hatten.

Online-Befragung mit 368 Cannabis-Nutzern und 170 Kontrollen

Es konnten 368 Cannabis-Nutzer und 170 Kontrollen zur Teilnahme gewonnen werden. Die Teilnehmer aus beiden Gruppen waren zu gleichen Anteilen in antidepressiver, medikamentöser Behandlung. Zu Beginn der Befragung war der Gebrauch von medizinischem Cannabis mit geringeren selbst-berichteten Depressionen assoziiert, hatte jedoch keinen Einfluss auf Ängste. Nutzer gaben zudem besseren Schlaf, bessere Lebensqualität und im Durchschnitt geringere Schmerzen an als Nicht-Nutzer. 211 Personen vervollständigten mindestens eine Nachbefragung, darunter 145 Cannabis-Nutzer sowie 66 Kontrollen. Der Beginn der Verwendung von medizinischem Cannabis in der Nachbefragungs-Phase war mit signifikant reduzierten Ängsten und depressiven Symptomen assoziiert. Dieser Effekt konnte dagegen nicht bei den Kontrollen gesehen werden, die nie Cannabis anwandten.

Hinweise auf antidepressive Effekte

Die Beobachtungsstudie gibt erste Hinweise darauf, dass medizinisches Cannabis lindernde Effekte auf Ängste und depressive Symptome haben könnte. Diese ersten Hinweise sollten mit Placebo-kontrollierten Studien überprüft werden, um auch zu ermitteln, welche Produktart, Anwendung und Dosierung optimal zur Linderung von Angst- und Depressions-Symptomen geeignet sein könnte.

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