- Medizinalcannabis bei Agitation von Patienten mit schwerer Demenz?
- Randomisiert-kontrollierte Studie im Überkreuz-Design mit 19 Patienten
- Keine Besserung bei Agitation, weniger psychotrope Medikamente
DCP – Eine kontrollierte Studie im Überkreuz-Design mit 19 Patienten mit schwerer Demenz fand, dass Medizinalcannabis keine besseren Effekte auf Agitation hatte als ein Placebo. Die Behandlung war jedoch mit reduziertem Einsatz von psychotropen Medikationen assoziiert und sicher. Weitere Studien sind nötig, um Medizinalcannabis als mögliche ergänzende Option bei ausgewählten Patienten zu prüfen.
Verhaltensauffälligkeiten und psychologische Symptome einer Demenzerkrankungen treten besonders bei Patienten mit schwerer Demenz zutage und stellen eine große klinische Herausforderung dar. Cannabinoid-basierte Medikationen (Medizinalcannabis) wurden als mögliche therapeutische Option diskutiert. Bislang liegt allerdings nur begrenzt klinische Evidenz dazu vor.
Medizinalcannabis bei Agitation von Patienten mit schwerer Demenz?
Wissenschaftler führten in 5 Behandlungszentren in der Schweiz eine randomisierte, doppelblind placebokontrollierte Studie im Überkreuz-Design durch. Patienten mit schwerer Demenz erhielten oral eine Kombination aus THC und CBD (Δ9-Tetrahydrocannabinol, Cannabidiol; Verhältnis 1:2; bis zu 20 mg/40 mg täglich) versus Placebo. Die Behandlungen erfolgten in zwei 8-wöchigen Phasen, mit einer Auswaschphase über eine Woche. Als Studienergebnis ermittelten die Autoren primär Agitation (Cohen-Mansfield Agitation Inventory, CMAI). Sekundär erfasste die Studie verschiedene Verhaltensmaße, Schmerzen (Doloplus Schmerzskala), den Einsatz psychotroper Medikation (nach Bedarf) sowie die Sicherheit der Behandlung. Die Analyse ermittelte Unterschiede innerhalb jedes Patienten im Vergleich der beiden Behandlungsphasen mit aktiver Behandlung versus Placebo.
Randomisiert-kontrollierte Studie im Überkreuz-Design mit 19 Patienten
Insgesamt wurden 25 Patienten im durchschnittlichen Alter von 83 Jahren randomisiert, davon führten 19 Personen die Studie vollständig zu Ende durch. Im primären Behandlungsergebnis, der Agitation (CMAI), konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Behandlung mit Medizinalcannabis und Placebo festgestellt werden (Überkreuz-Differenz: 5,0; p = 0,53). Auch in anderen Verhaltensmaßen konnten keine signifikanten Unterschiede beobachtet werden. Nominell deutete sich ein Effekt auf Schmerzen (Doloplus) an, allerdings ebenfalls ohne statistische Signifikanz.
Allerdings war der Einsatz psychotroper Medikamente währen der aktiven Behandlungsphase signifikant geringer (Medikamentöse Behandlungen pro Patient und Tag: Medizinalcannabis: 0,06; Placebo: 0,14; p < 0,0001). Die Behandlung wurde gut vertragen. Es wurden keine schweren unerwünschten Ereignisse mit Bezug zur Behandlung beobachtet.
Keine Besserung bei Agitation, weniger psychotrope Medikamente
In dieser kontrollierten Studie im Überkreuz-Design erreichte demnach Medizinalcannabis bei schwerer Demenz keine besseren Effekte auf Agitation als ein Placebo. Die Behandlung war jedoch mit reduziertem Einsatz von psychotropen Medikationen assoziiert und sicher. Die Autoren schließen, dass weitere Studien nötig sind, aber Medizinalcannabis eine mögliche ergänzende Option bei ausgewählten Patienten darstellen könnte.